Aktuelle Stückkritik

"Confessions of Zeno"
Eine Produktion im Rahmen der Berliner Festwochen

Es ist immer schlecht mit zu grossen Erwartungen ins Theater zu gehen. Die Produktion "Confessions of Zeno" des Südafrikanischen Künstlers Wiliam Kentridge war besonders geeignet, große Erwartungen zu wecken: Tolle Buchvorlage, die renommierte handspring puppet company, illustre Kooperationspartner.

Die Berliner Festspiele zeigten "Confessions of Zeno" als 90 minütiges Multimedienereignis, das in einer gekürzten Videoversion letztens auf der Dokumenta zu sehen war und dort durchaus Lust auf mehr machte.

Der berühmte Roman Italo Svevos über die Bekenntnisse des Genusslügners Zeno Cosini ist ironisches Spiel mit der Psychoanalyse und Portrait einer überlebten Gesellschaftsform gleichermaßen. Die Bildschöpfungen des William Kentridge zeigen wundersame Wesen, mit scharfen Strichen aus dem Schattenreich Zenos geschnitten. Spitz ausschreitend ziehen sie mühsam durch ausgezehrte Landschaften ihrem Untergang in den Schützengräben des ersten Weltkrieges entgegen. Orientierungslos und mit den Mühen des Alltags beladene Gestalten. Morgen werden sie wissen, was sie heute sagen wollten oder womit sie sich morgen belügen wollten. Denn: Sprechen ist ein Ereignis, das durch die Realität nicht beeinträchtigt werden sollte.

Ist die Videoversion noch eine hochverdichtete Assoziation zu dem Roman (es könnte aber auch ein anderer sein, denn sehr viel erfährt man nicht von Svevos Opus, man erhält sich aber die Vorfreude auf die Lektüre), bleibt die gestreckte Bühnenversion nur Stückwerk. Auch hier wirken die Schattenprojektionen untermalt von der Musik Kevin Volans imposant, doch ist die szenische Ergänzung des Geschehens durch Sänger und Schauspieler schlicht überflüssig. Etwas hilflos bemüht versuchen die Akteure gegen die Bilder zu bestehen und bleiben ohne Chance.

Zeno konstatiert: "Was immer sich bewegt, am Ende hört es auf zu sein". Bei dieser Produktion hörte es leider schon weit vor dem Ende auf.

(Steve Werschinskii)

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