SPIELART 2003

Torero Portero von Stefan Kaegi (Deutschland / Argentinien)

Schon die Ankündigung hatte ihre eigene Form: ein beigelegter Zettel im SPIELART-Programmheft ­ Torero Portero von Stefan Kaegi an 4 Abenden, Müllerstr.42 in "Die Bank". Als SPIELART-Besucher/in gewohnt an die verschiedensten Aufführungsorte Münchens zu pilgern, war selbst diese vollkommen neue Spielstätte fast keine Überraschung mehr. Eine ehemalige Bankfiliale, wer hätte das gedacht, unrenoviert, ein wenig kühl und vor allem ohne Bühne, oder auch mit der größten Bühne aller Münchner Theater. Im wahrsten Sinne des Wortes "gläserne vierte Wand" waren nämlich die beiden großen Fenster der Bank und die Straße davor wurde Bühne. torero portero

Drei arbeitslose, argentinische Porteros erzählen dort, was sie in den Jahren hinter Glas, in ihren Pförtnerlogen erlebt haben. Geschichten, Anekdoten und Zoten auf der Showbühne Müllerstraße. Wer da vorbeiläuft wird für einen Moment in konstruktive Verwirrung gestürzt, kratzt sich selbst am Kopf und zugleich am präzisen, inszenierten Theatergeschehen.

"Is it real" was wir da draußen sehen? Wir starren auf das Fenster zur Realität, die Mattscheibe des Lebens, auf der so viele Geschichten zu sehen sind. Michael J. Fox steigt vom Tellerwäscher zum Milliardär-Concierge auf, Juan führt uns stolz durch das Stadion, das er lange bewacht hat, ein Passant trägt am ausgestreckten Arm einen Kaktus.
Torero Portero war wunderbar für alle, die gerne Voyeur sind (welcher Theaterbesucher ist das nicht?) und mit Sicherheit die schönste Stunde in einer Bankfiliale.
(Annegret Arnold)


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