Wo: München, Téâtre du port, Landsbergerstraße Ecke Offenbachstraße
Wann: 01.08.04 - 19.09.04; bei Dämmerung, also gegen 21 Uhr


Gestrandete Arche

In einem Zirkus leben als großer Kindheitstraum. Auf einem Seil tanzen und Elefanten reiten. Reich sein, wegen dem ganzen Gold an den Kleidern. Jahre danach: reich sein, wegen dem auf Reisen sein.
Endlich wird er wahr, dieser Traum und das ganz ohne den bitteren Beigeschmack, den das Wort "Zirkus" später auch immer zurückgelassen hat. Eine Arche hat angelegt in München, genauer im Hafen des Münchner Westens, im Téâtre du port.

Am unscheinbaren, weiten Eingang des Theatergeländes wechselt der Zuschauer seine Kleidung. Er kann wählen zwischen goldbestickten Flügelkostümen, einem Direktorenfrack, oder leichten, meist purpurnen, verzierten Togen. Der Rundgang in den Lichtspielen der untergehenden Sonne beginnt. Schleichend fällt die Dämmerung, mit ihr hebt sich der Vorhang. Der Zuschauer mitten im Geschehen. Ein Hafen im Morgenland, Simultantheater. Die Tiere einer gestrandeten Arche erwachen, Musik spielt und Buddhas in allen Größen erzählen aus ihren Leben. Ein Klappern wird laut. Zwei Schwertfische buhlen um die Gunst einer halbnackten Nymphe. Etwas abseits tauschen sich Elefanten aus. Eine Hyäne grämt sich im Hintergrund.

Nichts verwundert. Weder das Außen, die sprechenden Löwen behängt mit Prunk und Protz, noch die eigene Rolle, denn mit der Kleidung gibt man am Eingang die Fragen: Wer? Wo? Wann? Wie? und Warum? ab.
Ein feuriger Sommerabend, der die Sinne verzaubert. Während die Arche ihren Anker gesetzt hat, beginnt der Zuschauer losgelöst vom Alltag zu schwimmen. Er ist der stille Beobachter einer anderen Zeit. Ein Zirkusdirektor, der seine Schafe zählt, eine Primaballerina, die nach ihrer Nummer zwischen den Kollegen umhergeht. Ein Spektakel aus einer anderen Welt in dem man treiben kann, das nach Feuer und Schweiß, Zimt und Myrre riecht.

Am Ende des Rundgangs werden Erfrischungen gereicht. Platz zu nehmen auf einem riesigen Holzdiwan, einem Thron. Wie angebracht, denn trotz stiller Teilnahme ist das Gefühl königlich. Wasserspeier und Nixen reichen die Getränke. Am Ausgang warten geflügelte Pferde. Jedoch Vorsicht! Sie setzen einen ziemlich unsanft ab. Manchmal schon nach einigen hundert Metern, manchmal vor der Haustür. Wenn man Glück hat erst einige Tage später.
(Annegret Arnold)
--> [zurück]