THEMA//18
pppDas aktuelle Magazin der //theatermaschine.
Ausgabe: Juni/Juli 2004
Hier stellen wir regelmäßig ausgesuchte Websites vor, geben Buchempfehlungen, informieren über interessante Medien- und Theater-Aktivitäten, etc. Alle bisherigen Ausgaben des Magazins im --Archiv!


Münchner Biennale 2004
www.muenchenerbiennale.de
Eindrücke vom 9. Internationalen Festival für neues Musiktheater in München.

Die Musiktheaterbiennale in München schien uns ein guter Grund, den Motor der //theatermaschine wieder anzuwerfen. Der zweijährlich stattfindende Uraufführungszirkus hat schließlich einen festen Stand im internationalen Geschäft des Musiktheaters und versprach das ein oder andere Bonbon mit dem wir uns dann auch bei unseren treuen LeserInnen für die kleine Kreativpause unseres Magazins entschuldigen wollen. Dieses Jahr ging es "... in die Fremde" - und so zog ich denn also hinaus, der Biennale entgegen. Von Horst Konietzny ... [zum vollständigen Text]


adeactronics - ADE 2004 München
Art Digital Era : live/digitale Performances
www.i-camp.de und www.ade2004.org

Im Rahmen des EU-Projekts ADE 2004 wurden Ende Mai die Gewinner des ADE-Wettbewerbs in München präsentiert. Später reisen die ausgewählten Gruppen ('Future Physical'/London, 'Bilderwerfer'/Wien, Teatro di Piazza o d'Occasione Associazione Culturale /Prato, Italien) auch nach Rumänien und Italien. In München beeindruckten besonders die österreichischen Bilderwerfer (www.bilderwerfer.com) mit ihrer sechs Stunden Performance 'PPP - Pretty Public Privacy' - ... [zum vollständigen Text]


In Transit, Haus der Kulturen der Welt Berlin
Der Schauspieler im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
ANIMA, 4D Art Kanada.


Die Ankündigungen zu der deutschen Erstaufführung von "Anima" klingen spektakulär: die Technologie, die die Titanic sinken ließ soll nun Schauspieler in nie gesehener Weise mit in den Raum projizierten Bildern interagieren lassen. Versprochen wird so etwas wie die Bergung des neuen Schauspielers aus den Tiefen der alten Sehnsucht nach Schwerelosigkeit auf der Bühne und im Tanz. Man fühlt sich erinnert an den Traum des alten Artaud von der Auflösung der Körpergrenzen und ist gespannt darauf zu sehen, wie die Akteure aus der Haut fahren. Was zu sehen ist, ist allerdings eine zäh in Fahrt kommende Nummernrevue, die sich verzweifelt an Gedankenfäden des englischen Verhaltensforschers Desmond Morris entlanghangelt und dabei der Dramaturgie des Jahrmarktes folgt. Mit langsam steigernder Intensität werden technische Tricks zur Verblüffung des Publikums eingesetzt. Allerdings ohne weitergehenden Erkenntnisgewinn und ohne dem Anspruch gerecht zu werden, die Botschaft vom Menschen als böse gewordenes Tier theatral zu verdichten. Anima ist etwas für Technikfreaks und Freunde der Geisterbahn. Nur selten gelingen Bilder, die einen Eindruck davon geben, was mit der Technik der Holografie an aufregenden Begegnungen zwischen Menschen und ihren Replikaten auf der Bühne möglich gewesen wäre.   (Horst Konietzny)


Stuttgarter Staatsoper:
Tristan und Isolde

Es ist Oper und wir sollen Texte verstehen. Luc Perceval bleibt sich auch in seiner ersten Operninszenierung treu als Mann des Schauspiels. und setzt auf Verständnis. Auf Textverständnis und nicht auf das Verstehen der äußeren Handlung, die wird vorausgesetzt. Große Textprojektionen der wichtigsten Essentials des gerade Gesungenen beleben das karge Bühnenbild und regen zum Mitlesen an. Was man in der fünfstündigen ereignisarmen Spielzeit auch dankbar als Beschäftigungstherapie annimmt.

Perceval geht es um die innere Handlung, die emotionalen Wechselspiele und die Verhältnisse der Personen zueinander. Er vermeidet das zu illustrieren was sowieso schon mit dem dicken wagnerischen Kinosound in die Ohren schwappt. (Aus dem Orchestergraben quillt er allerdings oft so laut und ungestüm, dass man manchmal um die Sänger und die vom Regisseur so fein ziselierten inneren Verhältnisse fürchten muss).
Jedenfalls ist die inszenatorische Zurückhaltung grundsätzlich wohltuend. Man kann beruhigt die Augen schließen, ohne befürchten zu müssen, viel zu verpassen. So taucht man ein in das lange Lied von Liebesleid und Tod, das Perceval schön trist aus- und anlegt. Er zeigt Tristan und Isolde als überreifes Liebespaar bei dem es schnell egal ist, ob sie erst ins Bett oder gleich in den Sarg kippen. Den alten Topos der Nähe von Liebe und Tod hat er so schnell beschrieben aber auch einige berührende Momente der Einsamkeit zu zweit geschaffen.   (Horst Konietzny)


   Buchkurzkritik:
buchcoverMedien Kunst Netz 1 / Media Art Net 1
Medienkunst im Überblick / Survey of Media Art

Springer Verlag, Wien. März 2004.

Ein Buch mit Gebrauchsanleitung - so weit ist es schon gekommen: Der Diskurs über elektronische Medien, Kunst und Netze erfordert offenbar andere, adäquatere Vermittlungsstrategien. Ob es ein Erkenntnisgewinn ist, der sich aus der Buchdeckelsprengenden Präsentation ziehen lässt, sei dahin gestellt. Man möchte ja dann doch vor allem ein Buch lesen und nicht dabei die ganze Zeit im Internet herumklicken müssen.

Rudolf Frieling und Dieter Daniels haben es einmal mehr übernommen aufzuräumen im Kosmos der aktuellen Kunstproduktionen. Mit dem neuen Sammelband bieten sie eine Übersicht über die Strömungen und Auseinandersetzungen der Medienkunst, ausgehend von einer Rückschau auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie die Avantgarden der 1960er und 70er Jahre. Zu Wort kommen neben Frieling und Daniels selbst einige der üblichen akademischen Verdächtigen der Medienkunstszene: Inke Arns, Söke Dinkla, Oliver Grau. Außerdem Golo Föllmer (über Radio Art) und Heike Helfert (über 'Raum Zeit Technikkonstruktionen').

Fazit: Wer sich schon länger mit dem Thema Medienkunst befasst wird nichts bemerkenswert Neues in "Medien Kunst Netz 1" finden. Was vielleicht aber auch daran liegt, dass die Dynamik dieser "Kunstrichtung" (in Anführungszeichen!) inzwischen zum erliegen gekommen ist, bzw. technische Innovation allein und das Neue an sich nicht als Kriterium genügen, um eine Kunst zu begründen. - Ein Buch also aus der und für die Nachwelt. Aber Solide.

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Frieling, R. , Daniels, D. (Hrsg.):
Medien Kunst Netz 1 / Media Art Net 1
ISBN: 3-211-00570-6
Preis: EUR 54,00 bestellen!


(THEMA//18_Juni/Juli 2004)