THEMA//12
[Illustration]Die aktuelle Version des Netrobots von //theatermaschine.
Hier stellen wir regelmäßig ausgesuchte Websites vor, geben Buchempfehlungen, informieren über interessante Medien- und Theater-Aktivitäten, etc..

Kolumne: Handy-Theater in Sicht
Mit neuer Mobilfunk-Technik werden Netzbetreiber zu Theaterhäusern. Von Burkhard Reitz.

Live auf der Bühne: Dance 2002
Tanzfestival in München, 29. Oktober - 10. November 2002

Auch im Tanz und Tanztheater finden die digitalen Medien zunehmend Verwendung. Wir schauen uns einige Produktion vom diesjährigen DANCE Festival an und berichten an dieser Stelle über unsere Eindrücke.



Webprojekt von Forced Entertainment
Institute of Failure (www.institute-of-failure.com)

"Shooting Live Artists" nennt sich ein von der BBC ins Leben gerufenes Projekt, bei dem sechs Arbeiten in Auftrag gegeben wurden, die sich alle mit der Verwendung digitaler Medien im Rahmen von performativen Live-Aktionen beschäftigen. Tim Etchells von der Gruppe Forced Entertainment und Matthew Goulish schufen mit dem "Institute of Failure" einen realen und imaginären Think-Tank, Zitat: "dedicated to the study of failure as it occurs in all aspects of human endeavour". Auf der Website des "Instituts" findet man die gesammelten Dokumente des Projekts: Papers, die bei verschiedenen Live-Events vorgetragen wurden, Essays und speziell für die Site gesammelte "artworks". Außerdem die 26 Punkte umfassende Liste des Versagens!


Akustische Kunst in Netzwerken und Datenräumen
Audio Hypersapce (www.swr2.de/audiohyperspace/)

Audio Hyperspace ist ein Online-Magazin des Südwest-Senders SWR2. AudioHyperspace wird von der Hörfunk-Redakteurin Sabine Breitsameder zusammengestellt, die damit die Spur von akustischer Kunst im Netz verfolgen will. Jeden Monat werden interessante Audio-Websites vorgestellt und eine kommentierte Sammlung von Links zu den Themen Audio und Audio Art im Netz präsentiert.


Buchvorstellung:

Singularitäten - Allianzen.
Huber, J. (Hrsg.)
Springer Verlag Wien New York, Dresden 2001

Interventionen in die aktuelle Kulturdebatte
[cover] Dieser Sammelband entstand in Koproduktion mit dem Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (HGKZ). Darin enthalten sind Aufsätze verschiedener Autorinnen und Autoren, die sich im weiteren und näheren Sinne um den Begriff und die Verortung von Kultur im Kontext globalisierter Gesellschaft drehen. So schreibt Terry Eagleton, Professor für Kulturtheorie in Manchester, über die Schwierigkeit, einen Konsens über Kultur zu finden. Kultur sei heute Arena der Auseinandersetzung, des Krieges, und unsere Kulturkriege hätten "drei Ecken": 1. Den Kulturbegriff westlicher Provenienz mit Universalitätsanspruch (Exzellenz; Universalismus). 2. Minderheitenkulturen, die diesen Anspruch auf Allgemeingültigkeit leugnen (Ethnos; Parochialismus). 3. Kultur als Massenphänomen, die gegenwärtige kommerzielle Ausprägung zu einer Massenkultur (Ökonomie; Kosmopolitismus).
Angela McRobbie, Kulturwissenschaftlerin aus London, setzt beim letzten Punkt, der Ökonomie an. Sie beschreibt das Phänomen des Künstlers als Pionier der New Economy. Der Künstler als freiberuflich und selbstständig Arbeitender setze ein Modell, wie es in Politik und Wirtschaft derzeit stark favorisiert wird. Stichwort: Ich-AG!

Das Thema Arbeit beschäftigt auch Michael Hardt, den Mitautor des vor allem in linken Kreisen vieldiskutierten Buches "Empire". In jüngster Zeit, so hält er fest, nehme der Anteil "immaterieller Arbeit" zu und diese Form der Arbeit einen dominante Stellung in der Wirtschaft ein. Unter immaterieller Arbeit versteht Hardt Arbeit, die ein immaterielles Gut erzeigt, also z.B. Dienstleistungen, aber auch Wissen und Information. Solche Arbeit, die keine materiellen Produkte mehr erzeuge, müsse daher auch Ansprüche auf Privateigentum ablösen. Alle Formen immaterieller Arbeit seien außerdem notwendigerweise kollektiv und sozial, daher müsse auch Eigentum kollektiv und sozial sein.

Äußerst lesenswert ist auch der Beitrag des indischen Philosophen und Präsidenten der Gesellschaft für interkulturelle Philosophie in München, Prof. Dr. Ram Adhar Mall. Er stellt das Konzept einer interkulturellen Ästhetik vor. Zitat: "Das Thema ist insofern neu, als sich nicht-europäische Denker erst seit kurzem an einem reziproken hermeneutischen Spiel mit ihren europäischen Gegenspielern beteiligen, die zuvor jahrhundertelang eine Art monologischer Hermeneutik betrieben haben." Ram Adhar Mall verfolgt daher das Konzept einer komparativen Philosophie, die keine spezifischen philosophischen Konventionen verabsolutiert. Vielmehr geht es ihm um überlappende Strukturen, um analogisches Denken und gegenseitiges Verstehen durch Identifikation.

Weitere im Sammelband enthaltene Aufsätze behandeln u.a. Geschlechterfragen und kulturelle Diskurse aus feministischer Sicht. Horst Wenzel zieht einen Vergleich von Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten im Mittelalter mit heutigem Rezeptionsverhalten. Derrick de Keckhove denkt über Psychotechnologien nach und über Schnittstellen zwischen Sprache, Medien und Geist.
Insgesamt bietet der Band eine interessante Zusammenstellung aktueller Positionen, die man eher assoziativ und kontextuell in Beziehung setzen muss. Das Streiflicht auf die Moulagensammlung des Universitätsspitals Zürich mutet jedoch mit zahlreichen farbigen Abbildungen in der Mitte des Buches mehr wie ein Ausflug ins Gruselkabinett an und scheint dann doch ziemlich weit hergeholt.

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Huber, J. (Hrsg.)
Singularitäten ­ Allianzen
ISBN 3-211-83806-6
Preis: EUR 23,30 bestellen!


Jetzt auch akademisch!
Theaterwissenschaftliches Institut LMU München

Seit dem Wintersemster 2002/2003 wird mit der Theaterwissenschaftlerin Birgit Wiens ein neues Feld in der Münchner Theaterwissenschaft beackert: Theater und Internet! In zwei Seminaren geht es zum einen um Medientheorie und zum anderen um die theaterwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema anhand praktischer Beispiele.
Auch der alljährlich in Hildesheim stattfindene theaterwissenschaftliche Kongress setzt einen Schwerpunkt auf "Theater als intermediales Experiment". "Unser Verständnis von Theater, Theatralität, Darstellung und deren Begriffsbestimmungen", so die Veranstalter, "werden vom theatralen Praxisfeld der Intermedialität her beunruhigt und angeregt". Da kann man nur eine fortgesetzt anregende Beunruhigung wünschen!

Update: Horst Konietzny ist in Hildesheim gewesen und berichtet: Eindrücke vom internationalen Kongress: Theaterwissenschaft und Theaterpraxis.


(THEMA//12_November 2002)