THEMA//09
[Illustration]Die aktuelle Version des Netrobots von //theatermaschine.
Hier stellen wir regelmäßig ausgesuchte Websites vor, geben Buchempfehlungen, informieren über interessante Medien- und Theater-Aktivitäten, etc..

Gesammeltes Wissen im und ums Netz
www.netzwissenschaft.de

Eine umfangreiche Sammlungen an Texten, Theorien und Infos zum Thema Netz hat Reinhold Grether unter dem Begriff netzwissenschaft.de zusammengetragen. Auf seiner Website befinden sich laut Angaben über 10.000 Links (wir haben nicht nachgezählt!) zu NetzwissenschaftlerInnen und NetzkünstlerInnen, zu Institutionen und Forschungseinrichtungen, zu netzwissenschaftlichen Periodika, außerdem ein Konferenzkalender sowie Buchveröffentlichungen und Publikationen. Grether betreibt mit seinem Projekt selber konkrete Internetforschung, indem er einzelwissenschaftliches Denken durchbricht und Vernetzung schafft zwischen Theorie und Praxis, Wissen und Kunst.


Text als Performance
http://www.yhchang.com/

Y0UNG-HAE CHANG HEAVY INDUSTRIES PRESENTS: Kurzfilme, Erzählungen, Texte - oder wie soll man die Flash-Filme nennen, die nur aus Schrift - meist schwarz auf weiss - und Sound bestehen? Psycho-Flash-Typo-Stuff with 50's Jazz? Animated Poetry? Y0UNG-HAE CHANG HEAVY INDUSTRIES (versch. Künstler) nutzen die Beschränkungen, die das Medium Internet bietet und erzählen Geschichten wie "Dakota" (über eine Sauftour, Elvis, Mama, tote Gang Mitglieder, den Sinn des Lebens u.a.) oder "Lotus Blossom" (Dialog mit einer Putzfrau über Derrida, Müllbeutel und Materie bei nahezu 100% Luftfeuchtigkeit). Oder: "ARTIST'S STATEMENT N0. 45,730,944: THE PERFECT ARTISTIC WEB SITE" ... [Anmerkung d. Redaktion: einfach selber ansehen!].


Buchvorstellung:

Die Kultur und ihre Narrative. Eine Einführung.
von Wolfgang Müller-Funk
Springer-Verlag, Wien 2002

Versuch einer narratologisch orientierten Kulturtheorie
[buchcover]Wolfgang Müller-Funk, Professor am Institute for Germany Studies an der Universität von Birmingham, verbindet mit seinem Buch zwei zumeist separierte Diskurse: den über Kultur und den über Narrative. Ausgehend von der Feststellung, dass sich Identität auf narrative Weise und entlang von Narrativen konstituiert, werden verschiedene literatur- und kulturwissenschaftliche Theorien vorgestellt und untersucht. In einem zweiten angewandten Teil stellt Müller-Funk Verbindungen zu unseren zeitgenössischen "Erzählungen", wie der des Geldes und der Kommunikations-Medien, her.

Für eine narrative Theorie von Kultur, so der Autor, ist anzunehmen, dass sich Kulturen nicht nur durch die erzählten Sujets, sondern auch durch die Konstruktionsweisen des Erzählens unterscheiden. Das gesellschaftskritische und -verändernde Potential von Kunst läge dann darin, neue oder andere Geschichten in Umlauf zu bringen. So hat die Literatur des 20. Jahrhunderts eine Menge solcher anderer, mitunter gesellschaftlich verbotener, Erzählungen produziert. Als Beispiele sind die Narrative der Frauenbewegung oder der Homosexualität zu nennen. Wenn Kunst autonom sein will, muss es ihr darum gehen, nicht die vorherrschenden Narrative zu (re)produzieren. Und da Erzählungen immer auch eine Form von Kommunikation darstellen, stört die autonome Kunst Kommunikation und stellt deren reibungslosen Ablauf in Frage.

In manchen seiner Aussagen bleibt das Buch sehr vorsichtig, obwohl die Zielrichtung zu erkennen ist. Beispielsweise dort, wo die moderne "Realität" als kulturelle Konstruktion vermutet wird. Müller-Funk bleibt auf der Seite des wissenschaftlichen Diskurses, obwohl er mit seinem Thema gleichzeitig eine Bresche für das narrativ Disparate schlägt. So schreibt er: "Nur wenn sich zeigen lässt, dass Narrative einen ganz strategischen Ort in der Kultur einnehmen, ließe sich die Exklusivität von Narrativen für die Konstituierung von Kulturen rechtfertigen. Diese Exklusivität besteht im zentralen Beitrag, den das Narrative zur Identitätsbildung kultureller Formationen jedweder Art leistet. Zwar ist nicht alles, was in einer Kultur an symbolischen Material gegeben ist, narrativ, aber keine Kultur kann der narrativen Grundierung entbehren." Und im Nachwort: "Dass die Wissenschaft uns die Welt vertraut macht, ist nämlich nur die eine Seite der Medaille, die andere ist, dass sie uns in die Fremde führt, in diesem Fall [Anmerkung: im Fall der vorliegenden Studie] in die Fremde der "eigenen" Kultur."

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Die Kultur und ihre Narrative.
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... und ab ins elektronische Traumland:
www.elektrotraum.de/

Ein Portal für eTräume haben die Gruppe test bed ins Netz gestellt. In einer Traumdatenbank werden Träume von Usern gespeichert. Doch nicht irgendwelche Träume sollen hier archiviert werden, sondern Träume, die einen elektronischen oder digitalen Aspekt haben, also im weitesten Sinn durch Computer beeinflusst sind. Aus dem gesammelten Material wurde inzwischen auch ein Hörspiel produziert, das auf dem Festival intermedium 2 im März '02 Premiere hatte.


(THEMA//09_März/April 2002)