heimatmuseumII
 
. 69 - Schuhmanns. Das ist die Geschichte von Ken. Eine Geschichte großer Tragik, eine Tragödie wie sie heute kaum mehr stadthaft scheint. Und doch. Es ist eine wahre Geschichte, denn nur wahre Geschichten können auch wahrhaft tragisch sein. Ich selbst spiele hierbei nur die Zeugin zweiten Grades. Aber ich versichere, bei meiner Treu, kein Wort davon ist gelogen; allenfalls erfunden.

Ken: ken so sieht er aus! Fescher Bursche, Stiefel, Satin-Pants, Glitzerhemd, ein Krönchen obenauf. Ein echter Prinz wie er da auf der Bühne des Lebens steht. Strahlend und stolz. Das Schloß im Hintergrund zwar eine Attrappe aus Karton. Aber wen kümmert das schon. Was zählt sind Zahnweiß und der gewichste Stiefelschaft. Der Schritt nach vorn, die Hand, die in die Zukunft greift. Der Blick erwartungsvoll, auf alles gefasst. Auf alles? Natürlich nicht. Ken ist Optimist.

Einige Jahre später. Ken fand hinter dem rosa Vorhang einen Schuh. Nun sucht er die passende Frau dazu. Beziehungsweise den weiblichen Fuß, dem der Schuh seine Blöße nehmen könnte. Beziehungsweise das Verhältnis, das der Schuh qua normativer Märchenkraft besiegelte. Bis dass der Tod euch scheide. Sagte ich Verhängnis? Ruckediguh, Ken fand keine Frau, aber das Blut in der Pantolette. Zeit für die Arie. son nata a lagrimar. Geboren, Tränen zu vergießen. Da war es schon nicht mehr lustig.

Das Siegerlächeln in der Fresse wie den Barcode. Die immer neuen Outfits. Das Schmutztabu. Das duftende Hellblau und das blendende Weiß und das herausgeputzte Silber. Das ewig Prinzige. Der nicht verklingende Applaus. Als ihm dann endlich eine ihre zarte Ferse anvertraute, mühelos fügte sich eins ins andere, der Fuß geführt von seiner Hand glitt ins Innere des nackten Schuhs, und sie, deren Sohlen schon lange brannten, schrie: fick mich! Ken!! - So traurig endet die Geschichte. Ken macht die Beine breit, dazwischen fehlt doch was. Eine Sehnsucht aus Plastik, ein Traum von Erhabenheit. Ein Mann, der kann. Und die Moral. Was denn noch mal?
 

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